fliegen. ach, was wäre das schön, wenn man jetzt so einfach wegfliegen könnte. nach allem, was passiert ist. herr komet war noch nicht wieder nach hause gekommen und frollein erdbeer war sich auch nicht sicher, ob er jemals wiederkehren würde. es ist einfach alles so trostlos. frollein rosenkohl ist in den winterschlaf gefallen, das schneeglöckchen ist krank, der sommer ist gegangen, die löwenzahnschirmchen fliegen nicht mehr, und die kleinen prinzen sind meist schon verdorrt, bevor sie reif wurden. leider wurde keiner von ihnen groß genug, um ihr das fliegen beizubringen. und der windfisch weint und weint und weint.

ein seufzer.
einer unter vielen in dieser zeit.
sie würde fliegen und es wäre ihr sicherlich egal, was mit den anderen wäre. sie vermisst herrn komet sehr, sehr stark. vielleicht bringt er neuen sternenstaub mit.

vielleicht.
vielleicht auch nicht.
manchmal ist das grinsen der grinsekatze nicht mehr als eine maske, damit sie nicht weinen muss. und überhaupt, sie wird nur unsichtbar, weil sie sich so fehl am platz führt.

dabei klingen frollein erdbeer noch die letzten worte von herrn komet in den ohren:
"du bist dir ganz sicher, dass du es ohne mich schaffst? wirklich?"
"ja, aber natürlich." (dabei sog er klappernd und klimpern an seiner glaspfeife)
"versprochen?"
"versprochen."
"und wenn nicht?"
"liebes frollein erdbeer. zuviele wenns machen dein herz träge und schwer, so als ob es in klebstoff getaucht wird. außerdem hab ich dir es doch versprochen."








wegfliegen zu können, jetzt, zu diesem zeitpunkt, das wäre wirklich unbezahlbar. es wäre sogar mehr gold wert, als der windfisch jemals erweinen könnte.
7.12.07 01:25


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der sommer kam rein und weinte. er war ganz nass. frollein erdbeer holte ein frotteehandtuch aus der kommode und wickelte den triefenden sommer darin ein (ja, triefend, so sehr weinte er!). sie fragte den jungen sommer, was denn passiert wäre und wieso er so traurig sei, doch zu allem überfluss bekam der kleine sommer nun auch noch einen ziemlich schlimmen schluckauf, sodass man kein verständliches wort oder gar eine erklärung aus ihm herausbekam.
frollein erdbeer seufzte und setzte einen tee auf. als sie in der küche werkelte, murmelte der sommer kleinlaut:

"die regenfrau hat mich getreten. sie sagte, ich würde niemals stark genug werden, um ihr zu trotzen."
"ach mein sommer", seufzte frollein erdbeer abermals, "das sagt sie doch jedes jahr. und letztendlich besiegst du sie immer wieder. wie oft willst du dich denn noch davon verletzen lassen?"
"aber.. sie hat mich getreten!"
"schon gut. ich werde mit ihr reden. aber.. versprichst du mir etwas?"
"was denn, frollein erdbeer?"
"werd schnell groß und stark. und werd wählerischer, was deine freunde angeht. du musst nicht immer bei der regenfrau spielen."
"werd ich auch nicht mehr. nie mehr!"
"versprichst dus?"
"versprochen."

sie lächelte und zerknüllte das handtuch, während der sommer kreischend durch den perlenvorhang verschwand. hätte doch nur ihr jemand früher solche versprechen entlockt.
3.5.07 04:48


Frollein Erdbeer öffnete die Fensterläden. Sie hatte extra ihr rotgepunktetes Kleid angezogen, um den Sommer zu begrüßen. Im Garten spielten die kleinen Prinzen fangen. Langsam rann eine lila Träne über Frollein Erdbeers Wange. Es war nun sieben Jahreszeiten her, dass der tückische Nordwind Herrn Komet fortgerissen hatte. Sie wusste einfach nicht mehr, was sie tun sollte. Niemand hatte ihn gesehen. Die Träne fiel auf ihr gepunktetes Kleid und hinterließ einen großen grünen Fleck. Bald wäre ihr Kometenstaub ganz aufgebraucht. Seit sieben Jahreszeiten zehrte sie von dem, was Herr Komet bei ihr gelassen hatte. Doch der tückische Nordwind hatte es immer wieder geschafft, ihr ganze Hände von Kometenstaub zu entreißen und mit sich fortzutragen. Vielleicht zum Herrn Komet. Vielleicht auch nicht. Wenn sie doch nur wüsste, wo er so lange blieb. Es war ja nicht das erste Mal, dass er fortgetragen wurde. Aber bisher war er immer zurückgekehrt. Sie vermisste den Anblick seines wechselnden Aussehens, sie wollte seinem unhörbaren Gesang lauschen, aber wo sie auch suchte: kein Herr Wind.
Die Grinsekatze auf dem Ofen kratzte sich mit ihrer Augenbraue unterm Kinn. "Der Sommer kommt bestimmt gleich."
Frollein Erdbeer wischte sich die Reste der lila Träne von der Wange. Vielleicht würde ja endlich der Sommer Neuigkeiten aus dem Sternenland bringen.
"Außerdem wird alles gut. Alles andere würde nämlich keinen Sinn ergeben, mein Frollein", fügte die Grinsekatze auf ihrem Kopf balancierend hinzu.
"Vielleicht", sagte Frollein Erdbeer.
Sie konnte den Sommer inzwischen sehen. Er kroch träge und kohlrabenschwarz zwischen den Zweigen der Hecke und den Geschleiden hindurch auf den Garten von Frollein Erdbeer zu.
"Vielleicht auch nicht", sagte sie.
25.2.07 01:23


Frollein Erdbeer sah hinaus aus dem Fenster. Die Löwenzahnschirmchen lieferten sich einen Wettflug. Ob sie wohl wussten, dass sie beim nächsten regen nie wieder fliegen können?
Frollein Erdbeer öffnete das Fenster und atmete tief die Spätabendluft ein. Nein, sie konnten es nicht wissen. Sie waren viel zu unbeschwert dafür. Ob sie sich jemals einsam fühlen? Nein, dachte sie, sie waren schließlich nie allein.
Die Prinzen im Garten liefen umher und versuchten die Pusteblumenflieger zu fangen. Aber die Flieger störte das nicht im Mindesten. Sie wussten nicht, dass sie nie wieder fliegen können, wenn ihr Prinz sie erst einmal ergriffen und ihnen in der Hast womöglich noch den Fallschirm abgerissen hat.
Sie hob probeweise die Arme. Wenn man dieses unnötige Wissen abwerfen könnte, dachte sie, wenn man nur könnte, dann würde man auch fliegen können, so ganz ohne Ballast und unbeschwert..
23.5.06 01:22


Herr Komet schüttelte den Kopf. "Was tust du denn da?", fragte er, leicht befremdet.
Frollein Erdbeer holte den großen Blumentopf unter ihrem Mantel hervor und stellte ihn zu den anderen. Die kleinen Prinzen, die darin saßen, zitterten ganz fürchterlich.
"Sie haben doch solche Angst vor den Sommerstürmen."
Ein kleiner Prinz zitterte so entsetzlich, dass sein ganzer Topf vibrierte. Frollein Erdbeer streute etwas Kometenstaub auf ihn. Er seufzte und wechselte die Farbe.
Herr Komet beobachtete, wie einer der kleinen Prinzen in den Blumentopf des anderen kletterte und sich dort eingrub.
Währenddessen stand Frollein Erdbeer am Fenster. Sie beobachtete, wie einige Stachelbären durch ihren Garten liefen, auf der Suche nach Unterschlupf. Ein Stachelbär wurde von einem der Sommersturmtropfen getroffen. Sein lilafarbenes Fell war auf der Stelle ganz nass. In heller Aufregung lief ein kleiner Prinz, den Frollein Erdbeer einzufangen vergessen hatte, zwischen den großen Kohlköpfen umher. Schließlich kauerte er sich unter eines der Kohlblätter.
"Der Himmel weint."
Herr Komet tat einen Zug aus seiner Pfeife.
"Ja, die Hexe des Nordens ist eben gestorben."
-"Ziemlich früh dieses Jahr, findest du nicht?"
29.3.06 00:07


Frollein Erdbeer seufzte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dann nahm sie die volle Gießkanne und ging an den fast reifen Regenbögen vorbei zum Kohlbeet. Wo waren sie denn nur? Da hörte sie schnelle, trippelnde Schritte und ein dunkelblauer Streif zischte an ihr vorbei.
"Hab ich dich!", rief sie und warf sich auf ihn.
Herr Komet, der auf dem Gartenzaun saß, tat zufrieden einen zug aus seiner Pfeife.
"Wirklich, es ist so schwer, sie zu erwischen, dabei sind sie eigentlich so zutraulich." Frollein Erdbeer schüttelte den Kopf und kraulte den kleinen Prinzen, der sich eben noch erbittert gewehrt hatte, hinter den Ohren. Der kleine Prinz, der noch ganz grün hinter den Ohren war, begann zu schnurren. Frollein Erdbeer nahm die schwere Gießkanne und begann, den kleinen Prinzen mit Wasser zu begießen. Der kleine Prinz kicherte und tanzte unter dem Wasser, das über ihn floss. Sobald die Gießkanne leer war, quiekte er auf und wuchs ein Stück. Frollein Erdbeer beobachtete entzückt, wie eine rosaorange Blüte hinter seinem einen Ohr aufblühte. Der kleine Prinz, der nun schon so groß wie Frollein Erdbeer war, schaute verlegen auf seine ziemlich großen Füße. Frollein Erdbeer gab ihm einen Schokofrosch, den er sofort im Ganzen in den Mund steckte. Sie wollte ihn noch warnen, da hatte er schon einen Schluckauf, der sich gewaschen hatte(denn schließlich war der kleine Prinz ja auch ganz sauber) und der wie ein Quaken klang.
Herr Komet seufzte zufrieden und beobachtete, wie der kleine Prinz weiter nach hinten zu den anderen Prinzen lief. Sie spielten Fangen zwischen den Kohlköpfen, je nach ihrer Farbe waren sie nur als grüne, blaue oder magentafarbene Streifen zu erkennen.
"Wirst du deine Leidenschaft für den Garten jemals aufgeben?", fragte er Frollein Erdbeer, die mit ihrer leeren Gießkanne an den Gartenzaun getreten war.
1.3.06 23:30


Frollein Erdbeer lächelte, als sie den Brief vom Herrn Komet in den Händen hielt. Als sie vom Briefkasten wiederkam, wollte sie hinter sich die Türe schließen, um den kalten Nordwind auszusperren, doch es ging nicht! Irgendwas hatte die Tür so verzogen, dass sie nicht mehr richtig schloss! Sie legte den Brief zur Seite und hängte stattdessen einen Perlenvorhang in die offene Tür, der wie hundert kleine Glöckchen klingelte.
Irgendwo, dachte sie, war das ja auch von Vorteil. Denn so konnte immerhin auch niemand ausgesperrt werden, der Glück in ihr kleines Haus brachte.

Doch wie ein listiger Windhauch den Brief von der Anrichte weit, weit weg blies, das merkte Frollein Erdbeer nicht...
26.2.06 23:26


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