Frollein Erdbeer öffnete die Fensterläden. Sie hatte extra ihr rotgepunktetes Kleid angezogen, um den Sommer zu begrüßen. Im Garten spielten die kleinen Prinzen fangen. Langsam rann eine lila Träne über Frollein Erdbeers Wange. Es war nun sieben Jahreszeiten her, dass der tückische Nordwind Herrn Komet fortgerissen hatte. Sie wusste einfach nicht mehr, was sie tun sollte. Niemand hatte ihn gesehen. Die Träne fiel auf ihr gepunktetes Kleid und hinterließ einen großen grünen Fleck. Bald wäre ihr Kometenstaub ganz aufgebraucht. Seit sieben Jahreszeiten zehrte sie von dem, was Herr Komet bei ihr gelassen hatte. Doch der tückische Nordwind hatte es immer wieder geschafft, ihr ganze Hände von Kometenstaub zu entreißen und mit sich fortzutragen. Vielleicht zum Herrn Komet. Vielleicht auch nicht. Wenn sie doch nur wüsste, wo er so lange blieb. Es war ja nicht das erste Mal, dass er fortgetragen wurde. Aber bisher war er immer zurückgekehrt. Sie vermisste den Anblick seines wechselnden Aussehens, sie wollte seinem unhörbaren Gesang lauschen, aber wo sie auch suchte: kein Herr Wind.
Die Grinsekatze auf dem Ofen kratzte sich mit ihrer Augenbraue unterm Kinn. "Der Sommer kommt bestimmt gleich."
Frollein Erdbeer wischte sich die Reste der lila Träne von der Wange. Vielleicht würde ja endlich der Sommer Neuigkeiten aus dem Sternenland bringen.
"Außerdem wird alles gut. Alles andere würde nämlich keinen Sinn ergeben, mein Frollein", fügte die Grinsekatze auf ihrem Kopf balancierend hinzu.
"Vielleicht", sagte Frollein Erdbeer.
Sie konnte den Sommer inzwischen sehen. Er kroch träge und kohlrabenschwarz zwischen den Zweigen der Hecke und den Geschleiden hindurch auf den Garten von Frollein Erdbeer zu.
"Vielleicht auch nicht", sagte sie.
25.2.07 01:23


Werbung


Gratis bloggen bei
myblog.de